Der Magglinger Geist

Seit dem Zweiten Weltkrieg beherbergt Magglingen oberhalb von Biel eine eidgenössische Sportschule, die einen einzigartigen «Geist» ausstrahlt, den jede und jeder spüren kann, insbesondere im Rahmen der J+S-Ausbildung. Herr und Frau Tonnerre berichten über ihre Erfahrungen als Sportlehrer/lehrerin.

Die Eidgenössische Sportschule Magglingen wurde 1944 als «Rütli des Schweizer Sports» gegründet und sollte als zivile Einrichtung neben anderen Aufgaben auch zur körperlichen Ertüchtigung der Soldaten beitragen. Nach dem Wortlaut der ersten Bestimmungen sollte die Schule die «Pflanzung eines richtigen schweizerischen Sportgeistes unter der gesamten Turn- und Sportgemeinschaft durch das Beispiel echt kameradschaftlicher Zusammenarbeit der führenden Persönlichkeiten und Spitzenkönner» bewirken. 80 Jahre später zählen zwar nicht mehr die Soldaten zu den häufigsten Besuchern in Magglingen, aber die Schülerinnen und Schüler, die für eine J+S-Ausbildung oder zur Teilnahme an Hochschulausbildungen kommen, entdecken hier immer noch den «Magglinger Geist».

Dieser «Geist» ist für seine Initiatoren die Manifestation eines helvetischen Sonderwegs in der Förderung des Sports. Im Rahmen der Eidgenössischen Sportschule wurden Schwerpunkte und Grundsätze hinsichtlich Vorbildlichkeit, Fairplay und Leistungsbereitschaft festgelegt. Dabei handelt es sich um eine gelungene Mischung aus dem Einfluss bestimmter militärischer Grundsätze (Respekt vor Hierarchien, starke vertikale Autorität, Leben in der Gemeinschaft), der Vermittlung des Wissens von Bewegungsexpertinnen und -experten, deren Paradebeispiel natürlich Arturo Hotz war, aber auch einer starken Wertschätzung der praktischen Erfahrungen, die bei der sportlichen Betätigung auf den Sportplätzen oder in den Sporthallen gesammelt wurden. Der Magglinger Geist wird manchmal auch als die Schweizer Umsetzung des berühmten Spruchs «Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper» angesehen, der von Juvenal vor fast 2000 Jahren geprägt wurde.

Wer J+S sagt, der sagt Magglingen. Es war eine regelrechte Hochburg. Mein erster Kontakt mit dieser neuen Bewegung, war Magglingen. Als Sportstudent an der Universität absolvierte ich jeden Sommer eine zwei- bis dreiwöchige Zusatzausbildung in Magglingen

Bernard Tonnerre

Jugend+Sport ist in der Tat eine sehr erfolgreiche Umsetzung des Magglinger Geistes, bei dem die praktische Erfahrung eine grosse Rolle spielt und der in den Sportlerinnen und Sportlern geweckt werden soll. Er dient aber auch als Grundlage für die Ausbildung von Leiterinnen und Leitern bis hin zu Expertinnen und Experten.

Für manche ist dieser Geist immer noch zu «militärisch» und symbolisiert die andauernde Bevormundung des Schweizer Sports durch die Armee. Letztendlich wird er aber äusserst positiv bewertet und ist auch bei den Spitzenathletinnen und -athleten allgegenwärtig. In den letzten dreissig Jahren stand dieser Geist für die Schweizer Erfolge in wichtigen Sportwettbewerben, insbesondere in den neueren Sportarten, bei denen er in Form einer Aufwertung von Innovation und «Swiss made» zum Ausdruck kommt.

Den Magglinger Geist kann man natürlich auch vor Ort spüren, in den verschiedenen Infrastrukturen, die seit den 1940er-Jahren regelmässig ausgebaut werden, vom Grand Hôtel bis zur Halle «End der Welt». Dieser Geist strahlt weit über die Bieler Höhen hinaus, und man spürt ihn natürlich auch in Tenero und Andermatt, aber auch in allen J+S-Ausbildungen, die insbesondere von den Kantonen organisiert werden, sowie in den akademischen Ausbildungen, die seit der Jahrtausendwende an Gewicht gewinnen.

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