Das Kernlehrmittel Jugend+Sport

Das bereits im Jahr 2000 eingeführte Kernlehrmittel soll sich wie ein roter Faden durch alle Sportarten des J+S-Programms ziehen. Urs Rüdisühli, einer der Autoren des Lehrmittels, stellt es uns vor.

Das Kernlehrmittel gliedert sich in verschiedene Kernkonzepte («das methodische Konzept», das «pädagogische Konzept» und das «sportmotorische Konzept»). Die Autoren dieses Lehrmittels wollen mit diesen Konzepten über die spezifischen Sprachelemente der einzelnen Leistungsebenen und Sportarten hinausgehen und eine J+S-Sprache entwickeln, die auf den gesamten Sport in der Schweiz ausstrahlen soll.

Im Mittelpunkt des pädagogischen Konzepts steht vor allem der Dialog, der zwischen Lehrenden und Lernenden aufgebaut werden soll. Bei den Lehrenden soll der Dialog auf den drei Elementen «Beobachten – Beurteilen –Beraten» basieren, während bei den Lernenden die Aufnahme, Verarbeitung und Umsetzung gefördert werden sollen.

Die grössten Ideen waren eigentlich, eine Sprache zu definieren mit ein paar Sportbegriffen, die in allen Sportarten gleichbenutzt werden können und die auch alle Institutionen, in allen Sportarten benutzen können.

Urs Rüdisühli

Daneben zielt das sportmotorische Konzept auf die parallele Entwicklung von Physis und Psyche ab, bei der die physische und emotionale Energie gefördert werden. Gleichzeitig wird die Energie durch koordinative und mental-taktische Kompetenz der Lernenden gesteuert. Mit den berühmten Begriffen «Erwerben-Festigen», «Anwenden-Variieren» und «Gestalten-Ergänzen», die im J+S-Programm schon zu einem festen Vokabular geworden sind, wird beim methodischen Konzept die Entwicklung der jungen Sportlerinnen und Sportler von den «Einsteigern» über die «Fortgeschrittenen» bis hin zu den «Könnern» geplant.

Die Aufgabe dieses Lehrmittels ist einfach: Es soll die Schlüsselelemente für den Unterricht und das Training anhand von Konzepten und Modellen veranschaulichen, die für alle J+S-Sportarten gültig sind. Der geistige Vater dieses Entwurfs ist der 2014 verstorbene Pädagoge und Philosoph Arturo Hotz, der vor allem die Begriffstrilogie «Beobachten-Beurteilen-Beraten» geprägt hat. Dabei verband er seine Interpretationen von Aristoteles mit seinen praktischen Erfahrungen (als Trainer, Lehrer und Denker) zu dem Modell: «zuerst das Notwendige, dann das Nützliche und erst danach das Optimale: Wozu? Was? Wie?». Dieses Unterrichtsmodell umfasst alle wesentlichen Elemente: Die ethisch-pädagogische Frage «Wozu?» bezieht sich auf das allgemeine Ziel des Unterrichts, die Frage «Wie?» versucht, die geeignetste Unterrichtsmethode zu bestimmen, und die sportmotorisch bedeutsame Frage «Was?» spezifiziert die Technik. Eine optimale Koordination ist ohne die zentrale Handlungskompetenz «Timing» nicht denkbar: zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit der optimalen Energiedosis. Seit dem Jahr 2000 wurde das neue «Kernlehrmittel» schrittweise in die J+S-Kurse eingeführt und den Leiterinnen und Leitern zur Verfügung gestellt, die ihre Laufbahn in der sportlichen Jugendarbeit beginnen. Einige Jahre später, 2008, wurde das Kernlehrmittel aktualisiert, wobei damals insbesondere eine DVD mit didaktischen Zeichentrickfilmen und eine CD mit Elementen aus der Fachliteratur hinzugefügt wurden. Dies ist ein erster Schritt in Richtung der Digitalisierung von J+S. Ausserdem werden die Ausbilderinnen und Ausbilder zunehmend aufgefordert, die didaktischen Inhalte in die verschiedenen Sportarten einzubeziehen.