J+S für einen Sportverband

Neben dem J+S-Programm und dem Engagement der lokalen Sportvereine sind die Sportverbände der dritte wichtige Akteur des Breitensports in der Schweiz. Béatrice Wertli, Direktorin des STV, und Olivier Bur, Ausbildungschef des STV, beantworten die Fragen.

Jugend+Sport ist ein Instrument zur Förderung des Breitensports in der Schweiz. Die Hauptziele sind einerseits die Sicherstellung eines qualitativ hochwertigen Inhalts der Ausbildung von Jugendleiterinnen und Jugendleitern im Sport und andererseits die finanzielle Unterstützung lokaler Sportvereine. Bei der Organisation von J+S-Ausbildungen und insbesondere bei der Festlegung ihrer Inhalte spielen jedoch die nationalen Sportverbände eine Schlüsselrolle, insbesondere seit der Einführung der neuen Bestimmungen in den 2010er-Jahren.

Die wichtigsten Sportverbände der Schweiz entstanden Ende des 19. Jahrhunderts. Lange vor der Einführung des J+S-Programms im Jahr 1972 kümmerten sie sich um die Ausbildung von Trainern und technischen Kadern, die für die jeweilige Sportart verantwortlich waren. Der Schweizerische Turnverband (STV), der zweitälteste Verband (gegründet 1832) nach dem Schweizerischen Schützenverein, der 1824 gegründet wurde, ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Ende des 19. Jahrhunderts bildete der STV in seinen lokalen Vereinen Übungsleiter aus und ging sogar so weit, die Ausbildung von Lehrkräften für das Schulturnen zu übernehmen, das nach der Revision der Schweizer Verfassung im Jahr 1874 obligatorisch wurde.

Jugend+Sport ist für mich ein Qualitätslabel, ein Projekt, ein Konzept des Bundes, ein Sportförderprojekt des Bundes, das es ermöglicht, dass Kinder und Jugendliche ganz einfach zum Sport kommen

Olivier Bur

Im Laufe der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts entwickelten die Sportverbände nach und nach interne technische Ausbildungen für ihre Trainer/Trainerin, jedoch immer noch exklusiv für die jeweilige Sportart. Diese Ausbildungen, die weitgehend im Milizsystem, dem Grundpfeiler des Schweizer Sportsystems, verankert waren, dauerten oft nur ein paar Tage (manchmal auch nur ein paar Stunden) und zielten darauf ab, die praktischen Erfahrungen derjenigen zu nutzen, die weniger erfahrene Sportlerinnen und Sportler betreuen wollten. Interessanterweise entstanden rund um bestimmte Sportarten wie Eislaufen, Tennis oder Skifahren auf Initiative von Verbänden oder manchmal auch von Interessengruppen regelrechte Berufe. Einer dieser Verbände war der 1932 gegründete Schweizerische Interverband für Skilauf (SIVS), dessen Ziel u. a. darin bestand, für eine gute Ausbildung von Skilehrerinnen und Skilehrern zu sorgen. Im Übrigen war es ein ausdrückliches Anliegen des SIVS, von dem Gedanken abzukommen, dass ein ehemaliger Spitzensportler aufgrund seiner rein technischen Kenntnisse der beste Ausbilder sei.

Sehr viele junge Menschen begeistern sich dank Jugend und Sport, auch weiterhin dem Turnen treu zu bleiben

Béatrice Wertli

Einige Jahre vor der Einführung von J+S und der Verabschiedung des Gesetzes vom 17. März 1972 wurde Ende der 1960er-Jahre nach dem schmerzlichen Misserfolg von Innsbruck eine erste Koordination der technischen Ausbildung – allerdings für die Trainer/Trainerin von Eliteathleten/Eliteathletinnen – unter der Schirmherrschaft des Nationalen Komitees für Elitesport (NKES) eingerichtet. Als Vorläufer der heutigen Diplome, die von Swiss Olympic ausgestellt werden, ermöglichten diese Ausbildungen den Verbänden, bereichsübergreifende Kompetenzen ihrer Spitzentrainer/Spitzentrainerin zu entwickeln.

Mit J+S änderten sich die Dinge radikal, insbesondere durch die Integration gemeinsamer pädagogischer Rahmenbedingungen für alle Sportarten, die Ausbildungsstufen (die anfangs subventioniert werden mussten) für technische Kader und ein Magglinger Gütesiegel umfassten.

Mit der Aufnahme der Verantwortlichen für die einzelnen J+S-Sportarten in die Verbände wurde die Rolle der Verbände in den 2010er-Jahren noch weiter gestärkt. Dies stiess zwar auf Kritik, insbesondere im Hinblick auf den Verlust der Gesamtkohärenz des Programms Jugend+Sport, förderte aber vor allem eine fachliche Arbeit im Sinne der Bedürfnisse der Sportlerinnen und Sportler.

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